Kenia – wo Armut auf Schönheit trifft

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Jambo Jambo! Karibu!! Asante sana…

So, oder so ähnlich könnten auch Eure nächsten Worte klingen, wenn Ihr Euch für einen traumhaft schönen Urlaub in Kenia entscheidet.

In keinem Land, das ich bisher bereiste, haben mir so oft die Worte gefehlt, die auch nur annähernd hätten ausdrücken können, was ich beim Anblick diverser Situationen gefühlt habe.

Ein Land, so verschieden wie es nur sein kann. Hier scheint es die sogenannte Schere zwischen Arm und Reich nicht zu geben und auch nie gegeben zu haben, denn Reichtum im materiellen Sinne findet man hier sicherlich nicht.





Viel mehr gibt es die Gegensätze von bitterlicher Armut und herzergreifender Schönheit.

 

Ich befinde mich im Anflug auf Mombasa.

Die neun Stunden in der Condor vergehen sprichwörtlich wie im Flug und ich erreiche kurz nach fünf Uhr morgens den kenianischen Flughafen.

Über den Tragflächen der Maschine geht am Horizont die Sonne in einem feurigen Rot auf. Sie verdrängt den schwarzen Himmel und verwandelt die sowieso schon heiße Luft in eine Art Sauna.

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Foto: Graeme Shannon / Shutterstock.com

Gefühlte 100% Luftfeuchtigkeit und knapp 28 Grad umgeben mein Gesicht auf dem Weg in den Flughafen.

Ich drehe die Uhrzeit eine Stunde vor und ohne es zu merken den Kalender 150 Jahre zurück.

 

Mittags breche ich zum ersten Mal in Richtung Mombasa Stadt auf.

Mit dem Bus geht es durch das kenianische Getümmel, vorbei an menschenüberfüllten Straßen.

Mitten im Geschehen lasse ich mich absetzen und starte meine Tour.

Die ersten Eindrücke sind erschreckend. Ich zähle auf den ersten einhundert Metern sieben Bettlerinnen und Bettler, die zusammengekrümmt auf den heißen Straßen sitzen und hoffen, dass der ein oder andere Tourist eine Münze fallen lässt.

Ich zücke meinen Fotoapparat und beginne, die, auf eine traurige Art, fantastischsten Bilder meines Lebens einzufangen.

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Bilder aus Mombasa
Fotograf: © Daniel Heilig

Durch die Menschenmenge, vorbei an Tagelöhnern und umherwandelnden Frauen, erreiche ich einen Markt. Unzählbar viele Gerüche steigen mir in die Nase. Hier scheint es alles zu geben; „frisches“ Obst, Gemüse, offenliegendes Fleisch, Fliegen, Katzen und Hunde. Kenianer die rauchend auf deren Ständen im Schneidersitz sitzen und Kinder, die mit offenen Händen durch die Menge trotten.

 

Vor meinem geistigen Auge läuft das Wissen ab, das ich mir durch Reiseführer angeeignet habe. Ich weiß, dass die Fläche Kenias etwa der eineinhalbfachen von Deutschland entspricht. Ich weiß, dass in Deutschland ungefähr 230 Menschen pro Quadratkilometer leben und hier in Kenia nur 66. Ich kenne die beste Reisezeit, die der deutschen Winterzeit entspricht und ich kenne die Gegenden, die man meiden sollte. Aber worauf ich nicht gefasst war, sind die Zustände die hier herrschen, sobald man einen Fuß vor die Hotelanlage setzt. Von dem Bild, das sich ein jeder von Afrika macht, sobald er an Kenia denkt, ist hier weit und breit keine Spur.

 

Einige Tage später packe die letzten Kleidungsstücke in meinen Rucksack und begebe mich zu den Bussen, die mich zur bevorstehenden Safari durch den Tsavo Ost National-Park bringen. Es ist fünf Uhr morgens. Wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann, dann das der Mückenschutz zu meinem fortwährenden Begleiter wurde. Die besten Erfahrungen habe ich mit „Nobite“ gemacht, denn ich habe keinen einzigen Stich bis jetzt.

Über den anscheinend gängigsten Schutz „Autan“ lachen sich die Moskitos eher kaputt.

 

Nach drei langen Stunden erreiche ich das Gate zum Tsavo Park, wo mich ein Holzschild, verziert mit dem Totenschädel eines Wasserbüffels, darauf hinweist, heute besser nicht frühzeitig den Safaribus zu verlassen, denn es könnte die letzte Tat für mich sein, wenn ein Löwe mich mit Handschlag begrüßt.

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Tsavo Ost National Park
Fotograf: © Daniel Heilig

Los geht’s… Mit offenen Dächern brettern ich und vier weitere Gäste über die rotsandigen Wege des Parks. Den Kopf aus dem Dach gestreckt bläst uns die heiße Luft mitten ins Gesicht. Wohin das Auge reicht sehen wir roten Sand, grüne Büsche, gepaart mit strahlend blauem Himmel und Gebirgen, die den Horizont umspannen.

Es dauert nicht lange bis die ersten Zebras und Geparden unseren Weg kreuzen und routiniert vor den klickenden Kameras posieren.

Unsere ungeteilte Aufmerksamkeit hat eine Elefantenherde, die mit der kompletten Verwandtschaft an ein Wasserloch trabt und dort verweilt. Allmählich nimmt mein erhofftes Bild von Kenia Gestalt an. Es gefällt mir zusehends besser.

Während der nächsten drei Tage und unzähligen Reservatkilometern später, haben wir wohl alles gesehen, was Kenia an Tierwelt zu bieten hat. Ich schaue mir auf dem Rückweg nach Mombasa die geschossenen Bilder auf meiner Kamera an und langsam wird mir klar, dass Löwen, Zebras, Giraffen, Elefanten, Leoparden und Geparden der Grund sind, weshalb Kenia immer eine Reise wert sein wird.

 

Kenia bietet eine Vielzahl an Ausflugsmöglichkeiten. Sei es eine Safari durch die Masai Mara, den Tsavo National Park, Taita Hills oder ein Stammesbesuch bei echten Masais.

Natürlich kommen auch Badegäste voll und ganz auf ihre Kosten, solange sie daran denken, dass in Kenia die Sonneneinstrahlung achtfach stärker ist wie bei uns. Dies liegt an der extremen Nähe zum Äquator.

 

Um kurz nach drei Uhr morgens klingelt der Wecker und ich werde zum vorerst letzten Mal von nächtlichen 29 Grad bei Laune gehalten, während ich schwitzend mein Gepäck am Flughafen aufgebe.

Ehe ich mich versehe befinde ich mich in der Luft. Unter mir zieht andächtig der Kilimanjaro dahin und leitet gekonnt den Abschied aus einem sagenhaften Land ein, welches seine Schönheit erst auf den zweiten Blick offenbarte.

 

Foto top: Foto: PHOTOCREO Michal Bednarek / Shutterstock.com

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