Verlassene Orte: Die Geisterstädte unserer Erde

Geisterstädte: Wenn die Ruhe Überhand genommen hat

Wenn man das Wort Geisterstädte hört, kommen einem sofort unzählige Bilder in den Kopf, von Orten, die von der Zivilisation verlassen wurden und die sich die Natur Stück für Stück zurückholt. Egal ob durch eine Nuklearkatastrophe, Fehlplanungen beim Bau oder aufgrund zuneige gehender Ressourcen, Gründe für die Entstehung von Geisterstädten und verlassenen Orten gibt es viele.

Die Meisten von ihnen befinden sich im amerikanischen Raum oder Asien, doch auch hier in Deutschland findet man in der einen oder anderen Region Orte, die von den Einwohnern aufgegeben wurden, und die vor allem zum Anziehungspunkt für Fotografen geworden sind. Wenn du neugierig bist und vor hast dir einige davon anzusehen sei vorsichtig, nicht alle sind für die Öffentlichkeit offiziell zugänglich. Hier findest du nun die „Top 10 der verlassenen Orte“.
 

1.Prypjat / Tschernobyl

Prypjat Tschernobyl

Der 26. April 1986 ist das Datum, an dem sich die Situation in Prypjat, ausgelöst durch eine der größten Reaktorkatastrophen überhaupt, vom einen auf den anderen Moment grundlegend änderte. Gegründet wurde die Stadt im Jahr 1970, nach dem Bau des Kernkraftwerks Tschernobyl, und beherbergte zeitweise bis zu 50 000 Menschen, die keine 4 Kilometer von den Reaktoren entfernt lebten. Kurz nachdem einer von diesen explodiert war, wurde die komplette Stadt evakuiert und ist nun eine radioaktiv verseuchte Zone. Nur wenige Menschen haben sich bis heute in diesen Bereich hineingewagt, belohnt wurden sie aber mit unheimlichen und gruseligen Fotos von verlassenen Rummelplätzen und Schwimmbädern. Zu bestimmten, bereits dekontaminierten Plätzen, werden sogar Führungen angeboten, trotzdem wird die Stadt für mindestens 300 Jahre unbewohnbar bleiben.
 

2. Der Spreepark in Berlin

Spreepark Berlin

Der Spreepark war zur Zeit der Teilung Deutschland durch die Mauer der einzige Freizeitpark der DDR. Nach der Wende wurde er den westlichen Verhältnissen angepasst, seine Besucherzahl schrumpfte jedoch von 1,7 Millionen auf 400 000 pro Jahr. 2002 wurde der Vergnügungspark wegen der Insolvenz des Betreibers geschlossen und wurde so zu einem verlassenen Ort im Osten Deutschlands. Ab 2009 hatten Interessierte die Möglichkeit, an einer Führung durch das Gelände teilzunehmen, doch nach einem Brand im August 2014 wurde der Park ganz für Besucher gesperrt. Einige Investoren zeigen Interesse an einer Sanierung des Spreeparks, doch bis eine Entscheidung gefällt wurde, bleibt dieser Ort auf der Liste der „Top 10 der verlassenen Orte“.
 

3. Die Insel Hashima

Insel Hasima

Bis zum Jahr 1974 arbeiteten auf der japanischen Insel Hashima Arbeiter in Kohleschächten unter dem Meer, und gehörte trotz ihrer geringen Größe zu den dichtbesiedelsten Orten der Welt. Um die Insel vor Stürmen und Taifunen zu schützen, baute man eine mehrere Meter hohe Mauer, und wegen des Platzmangels wurden mehrstöckige Wohnhäuser errichtet, in denen eine Wohnung kaum größer war als zehn Quadratmeter. Die Menschen kamen aber nicht nur freiwillig hierher, auch Zwangsarbeiter aus Korea oder China wurde während des Zweiten Weltkriegs nach Hashima gebracht. Als die Industrie jedoch von Kohle auf Erdöl umschwang, begannen die Einwohner die Insel fluchtartig zu verlassen, sodass sie heute einer Geisterstadt gleicht. Gegen eine Gebühr kann die Insel aber von Schaulustigen besucht werden, was von der japanischen Regierung geförtdert wird, denn die wollen mit dem Tourismus ihr Geld verdienen.
 

4. Die Olympia-Ruinen von Sarajevo

Olympia-Ruinen von Sarajevo

In der Hauptstadt Bosnien Herzegowinas, welches damals noch zu Jugoslawien gehörte, fanden anfang Februar 1984 die Olympischen Winterspiele statt. Als Bosnien jedoch 1992 seine Unabhängigkeit erklärte, wurde Sarajevo vom ehemaligen Olympiadorf zu einer belagerten Stadt, da Jugoslawien die Unabhängigkeit nicht anerkennen wollte. Während der Kämpfe und Bombenangriffe wurde der Ort größtenteils zerstört, der ehemalige Glanz ging verloren. Sprungschanzen verwittern und Tribünen dienen als Spraywände. Seit ein paar Jahren laufen allerdings die Renovierungsarbeiten, doch bis alle Schäden beseitigt sind, werden hier keine olympischen Spiele mehr stattfinden und auch sonst wird sich kaum ein Bürger hier her verirren.
 

5. Walfangstation in Grytviken

Walfangstation in Grytviken

Gelegen auf der britischen Antarktis-Insel Südgeorgien, war die Walfangstation, die 58 Jahre und zwei Weltkriege überlebte, wichtiger Exporteur von Öl und Fleisch, bis sie sich in eine Geisterstadt verwandelte. Dort lebten teilweise bis zu 500 Menschen, die jedoch nach der Insolvenz den Ort verließen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dem Anfang des industriellen Walfangs, boomte das Geschäft der Walfangstation in Grytviken, doch bereits nach dem Zweiten Weltkrieg verloren sie wieder an Umsatz und allen Rettungsversuchen zum Trotz wurde sie 1965 verkauft. Hier findet man also alte Häuser und Gebäude, die, von der Zeit zerfressen, von Seehunden und Pinguinen bevölkert werden und die ein Tourist nur sehr selten zu Gesicht bekommt.
 

6. Humberstone in Chile

Humberstone in Chile

Bei den Humberstone- und Santa-Laura-Salpeterwerken handelt es sich um Chilesalpeter Werke, die sich in der Wüste Chiles befinden und auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes stehen. In Humberstone lebten zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert bis zu 3500 Menschen, im Jahr 1961, als der Absatzmarkt von Salpeter immer weiter sank, wurde die Werke jedoch geschlossen. Heute erobert die Atacama Wüste die Spuren der Zivilisation Stück für Stück zurück, doch die Ruinen werden hin und wieder von Touristen besucht, die vor allem auch wegen des Freilichtmuseums den Weg durch die Wüste auf sich nehmen.
 

7. Der Saltonsee in Kalifornien

Saltonsee in Kalifornien

Entstanden wegen eines Dammbruches, gehört der Saltonsee zu den größten Seen in Kalifornien. Kurz nach seiner Entstehung entwickelte sich sein Umfeld zu einem Anziehungsort für tausende von Besuchern, Häuser und Hotels wurden gebaut und Straßen wurden angelegt. Der Salzgehalt des Sees stieg jedoch unaufhaltsam an und verstärkt durch die Abwässer, die in den See geleitet wurden, starben die in ihm beheimateten Fische. Der durch ein Unwetter ausgelöste, wachsende Wasserpegel vertrieb schließlich in den siebziger Jahren sämtliche Touristen aus seiner Umgebung. Heute findet man dort Ruinen von Häusern, einen alten Jachthafen und tatsächlich die ein oder anderen Camper, die es sich in der Nähe des ehemaligen Urlaubsparadieses bequem gemacht haben.
 

8. Oradour-sur-Glane in Frankreich

Oradour-sur-Glane in Frankreich

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten über 600 Menschen in dem kleinen Ort Oradour-sur-Glane in Frankreich. Als die Alliierten jedoch am 6. Juni 1944 in der Normandie landeten, ging die deutsche Armee zum Gegenschlag über und massakrierten die komplette Bevölkerung des französischen Dorfes. Sie verbrannten die Frauen und Kinder in der Kirche und erschossen die Männer. Lediglich 6 Personen überlebten diese grausame Tat. Seitdem ist der niedergebrannte Ort verlassen, ein Friedhof liegt ganz in der Nähe und erinnert an das Massaker von damals. Bereist im Jahr 1946 wurde Oradour-sur-Glane zum historischen Denkmal erklärt, ein Jahr später begann man mit dem Aufbau einer neuen Stadt. Heute besuchen immer noch viele Besucher das Ruinendorf und den dazugehörigen Friedhof.
 

9. Villa Epecuén in Argentinien

Villa Epecuén in Argentinien

Villa Epecuén ist eine ehemalige Touristenstadt am Ufer eines Sees und wurde im Jahr 1921 in der Nähe von Buenos Aires gegründet. Nachdem die Stadt immer mehr Besucher anzog und Hotels und Ferienanlagen aus der Erde sprossen, kamen im Jahr 1985 jedoch so starke Regenfälle, dass der See über die Ufer trat und die Stadt überflutet wurde. Heute zieren Schlamm und Sümpfe das einstige Paradies, doch das Wasser zieht sich zurück. Die Geisterstadt erhebt sich langsam wieder aus den Fluten und bietet ein Bild der Zerstörung, welches unter anderem sehr beliebt als Motiv für Fotografen.
 

10. Kolmanskop in Namibia

Kolmanskop in Namibia

In der ehemaligen deutschen Kolonie begann man am Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Diamantengewinnung. Obwohl die Versorgungslage in der Wüste denkbar schlecht war, wurden Häuser gebaut sowie Krankenhäuser und Freizeitmöglichkeiten. Nach dem Abbau der Diamantenfelder entwickelte sich die früher wohlhabendste Stadt Afrikas zu einer Geisterstadt, die letzten Menschen verließen den Ort im Jahr 1960 und die Wüste eroberte das Land zurück. Vor einigen Jahren begann man mit der Restauration einiger Gebäude, sodass ein Museumsbetrieb entstand. Langsam kommt wieder Leben in das einstmals blühende Kolmanskop.

 

 

Quellen:
Foto top: ©iStock.com/maurosone
1. Prypjat / Tschernobyl Foto © Simon Podgorsek/iStock.com
2. Spreepark in Berlin Foto © Stefan90/iStock.com
3. Insel Hashima By ja:利用者:Citrinitas (ja:画像:Hasima.jpg) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
4. Olympia-Ruinen von Sarajevo Foto © tunart/iStock.com
5. Walfangstation in Grytviken Foto © Mlenny/iStock.com
6. Humberstone in Chile Foto © DC_Colombia/iStock.com
7. Saltonsee in Californien Foto © Paul Farnham/iStock.com
8. Oradour-sur-Glane in Frankreich By TwoWings (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
9. Villa Epecuén in Argentinienvon Pablo González [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
https://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Epecu%C3%A9n
10. Kolmanskop in Namibia Foto © stephanvorster/iStock.com

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