Der Business-Class-Check: Unsere Top 5 Airlines im Vergleich

Der Business-Class-Check: Unsere Top fünf Airlines im Vergleich

Viele denken sich vielleicht, dass es keinen Grund gebe, sich zu beschweren, wenn man auf der Business-Class in den Urlaub fliegt. Immerhin sei diese doch um ein Vielfaches besser, als die Holzklasse. In diesem Zusammenhang hört man wohl nicht selten den Satz: „Jammern auf hohem Niveau.“ Grundsätzlich haben diese Passagiere natürlich irgendwo recht, aber andererseits muss man auch sehen, dass die Business-Class-Plätze nicht selten zu teuer sind, um sich dann auch noch über sie ärgern zu müssen. Wir von der AJOURE´ haben diverse Airlines in der Business-Class für dich getestet und verraten dir die Vor- und Nachteile, die wir auf den stundenlangen Flügen um die halbe Welt gemacht haben.

Im direkten Vergleich stehen vier Linienflug Airlines wie Lufthansa (Deutschland), Thai Airways (Thailand), Emirates (Dubai), Singapore Airlines (Singapore) sowie die deutsche Charter-Airline Nummer eins, Condor. Um einen fairen Vergleich machen zu können, sind wir jede Airline mindestens dreimal in der Business-Class geflogen. Unser besonderes Augenmerk galt Punkten wie: Verpflegung, Service & Personal, Sitzplatz & Comfort, Entertainment & WLAN und Eindruck insgesamt. Bewertet haben wir diese nach dem klassischen Hotelbewertungssystem mit Sternen eins bis fünf.

Lufthansa

(mehrmals getestet auf Flügen nach New York, Denver, Los Angeles, San Francisco, Malaga und innerdeutsch)

Lufthansa Business Class

Verpflegung (4*):

Drei-Gang-Menü mit verschiedenen Hauptgängen, die durchgehend sehr gut waren. Für Rotweinfreunde steht ein hervorragender Médoc zur Verfügung, sowie ein Sauvignon Blanc, wenn es ein Weißwein sein soll.

Service & Personal (3*):

Durchaus freundlich und professionell, mit einer gewissen Distanz gegenüber dem Passagier. Dies könnte man als typisch deutsches Charakterverhalten titulieren. Hier ist in Sachen Herzlichkeit definitiv noch Luft nach oben.

Sitzplatz & Comfort in Business-Class (4*):

Die Sitzplätze in der Business-Class auf Langstrecken sind durchaus in Ordnung und bequem. Die Plätze auf innereuropäischen und innerdeutschen Flügen sind dagegen etwas schlechter. Hier ist es ganz einfach so, dass kleinere Maschinen zum Einsatz kommen, die schlicht und ergreifend nicht genügend Platz für große Business-Plätze bieten. Hier hat man im Prinzip einen regulären Economy-Platz, wo der Platz daneben als „Extra Space“ freigehalten wird. Somit sitzen in einer Dreierreihe also nur zwei Personen. Für Flüge, die bis zu vier Stunden gehen, ist dies zwar in Ordnung, aber nicht wirklich das, was man sich unter einer Business-Class vorstellt.

Entertainment & WLAN (5*):

Kurz- und Mittelstrecken lassen wir hier außer Acht. Die Langstrecke bietet dafür alles, was das Entertainment-Herz begehrt. Eine große und oftmals sehr gute Auswahl an Filmen sowie ein vernünftiges WLAN. Dank dem Feature „FlyNet“ der Lufthansa können Passagiere den ganzen Flug über Online WhatsAppen, ihre Facebook-Timeline checken und Online-Games zocken. Die Verbindung reicht hierfür allemal. Für YouTube-Videos wird es allerdings nicht immer ausreichend sein. Für uns besonders gut ist, dass die Lufthansa im Prinzip drei Online-Pakete zur Auswahl stellt. 1 Stunde FlyNet (9 €), 4 Stunden FlyNet (14 €), sowie Full Flight FlyNet (17 €). Alternativ können Kunden den Preis auch mit ihren gesammelten Meilen bezahlen.

Eindruck insgesamt:

Für uns gehört die Lufthansa zu unserer Wunschairline, sobald wir in Urlaube fliegen oder auf Geschäftsreisen sind. Deutscher Standard, hohe Sicherheit und komfortables Reisen werden hier ziemlich großgeschrieben. Besonders der A380 und die Boeing 747-8 sind herausragende Fluggeräte.

 


Thai Airways

(mehrmals getestet auf Flügen nach Bangkok und Phuket)

Thai Airways Business Class

Verpflegung (3*):

Drei-Gang-Menü mit verschiedenen Hauptgängen und Nachspeisen zur Auswahl. Geschmacklich okay. Sehr gut ist hingegen der Médoc Rotwein, der ohne Fragen beliebig oft nachgeschenkt wird.

Service & Personal (4*):

Typisch asiatisch. Sehr freundlich und stets bemüht, den Aufenthalt an Bord so angenehm wie möglich zu gestalten.

Sitzplatz & Comfort in Business-Class (3*):

Hier sollte man aufpassen. Von Deutschland aus starten täglich mehrmals Nonstop-Flüge nach Bangkok. Hier wird unter anderem mit den Fluggeräten Boeing 777-300 und Airbus A380 geflogen. Von Bangkok nach Phuket wird oftmals eine Boeing 747-400 eingesetzt. Hier gilt ganz klar die 777 (auch genannt: Triple Seven) zu vermeiden. Die 777 ist im Vergleich zum A380 sehr laut und ziemlich eng. Lassen wir den Geräuschpegel außer Acht, bleibt immer noch das gravierendste Problem: die Sitzplätze.

Diese sind in der 777 einfach zu schmal und für Menschen über 1,90m nicht zu empfehlen. Gemütlich liegen ist absolut nicht möglich und auch ein Drehen zur Seite ist anatomisch nicht machbar, denn die Beine sind in einem derart engen Kasten gefangen, dass die Bewegung zu 98% eingeschränkt wird. Gerade bei den elfstündigen Flügen über Nacht nach Thailand kann dies zu einer Qual werden. Kleine Menschen und Kinder haben dieses Problem weniger. Die Boeing 747 von Bangkok nach Phuket ist um ein Vielfaches besser, was Bequemlichkeit und Beinfreiheit in der Business-Class angeht. Entscheide dich bei der Buchung also zwingend für einen A380, oder, falls verfügbar, alternativ für die Boeing 747 ab Deutschland. Die Triple Seven solltest du dir nicht antun.

Entertainment & WLAN (2*):

Hier knickt Thai Airways mit der geflogenen Triple Seven ganz klar ein. Natürlich gibt es Entertainment-Angebot an Bord. Die Filme auf der 777 sind überschaubar und kein Vergleich unter den anderen, namenhaften Top-Airlines. Größtes Problem in der heutigen Zeit: WLAN. Dies ist auf der 777 nicht verfügbar. Das hat uns auch gewundert, da wir uns online vorher informiert hatten. Wir waren über die hohen Preise für Internet an Bord verwundert (100 MB: 35 USD), hätten uns aber damit arrangiert. Urlaub hin oder her: Menschen wollen und müssen teilweise auf den Flügen online sein. In einer Business-Class sollte dies unserer Meinung kostenfrei oder sehr günstig als Flatrate angeboten werden. Leider stand dieser Dienst auf einer modernen Triple Seven nicht zur Verfügung. Weder auf dem Hin- noch auf dem Rückflug. An Bord eines Airbus A380 und einer Boing 787 kommt der oben genannte Preis zum Vorschein. Und ganz nebenbei: 100 MB sind für diesen Preis viel zu wenig!

Eindruck insgesamt (3,5*):

Thai Airways ist eine gute Airline, bei der das Gesamtgerüst stimmig ist. In Sachen Komfort müssen Passagiere bei der Nutzung der 777 definitiv Einschränkungen in Kauf nehmen, die man bei unseren anderen Airlines so nicht hat. Hervorzuheben ist das gut geschulte und freundliche Kabinenpersonal, sowie die Besatzung des Cockpits, die Passagiere regelmäßig mit Informationen rund um Wetter und Flug auf dem Laufenden hält.

 


Emirates

(mehrmals getestet auf Flügen nach Dubai, Malediven)

Emirates A380 Business-Class

Verpflegung (5*):

Hier zeigt Emirates bereits, wozu die Superlativ-Airline in der Lage ist. Schon bei der Getränkeauswahl wird einem schwindelig. Als Beispiel stehen folgende „Cocktails“ zur Auswahl: Es gibt es Bloody Mary, Aperol Spritz, Kir Royale, Cosmopolitan, Espresso Martini, Negroni und viele mehr. Ebenso groß wie die Auswahl an alkoholischen Cocktails ist die Auswahl der „Mocktails“ (antialkoholische Cocktails). Virgin Mary, Orange Fizz, Virgin Mojito und viele mehr. Reicht noch nicht? Okay. Wie wäre es mit Scotch, Cognac, Aperitifs, Bier und Wein? Sollte reichen für eine 5*-Bewertung. Ebenso pompös fällt die Menükarte aus. Als kleines Beispiel ein Auszug aus der aktuellen Hauptgang-Karte: Pan-Fried Beef Tenderloin, Roasted Chicken Fillet oder Pan Fried Cod.

Service & Personal (5*):

Man könnte der Meinung sein, dass Dubai all sein Können und seine Herzlichkeit in das Kabinenpersonal beamt und mit diesen verkörpert. Punkt.

Sitzplatz & Comfort in Business-Class (4*):

Die Sitzplätze sind ähnlich wie in der Triple Seven der Thai Airways, allerdings hochwertiger und mit mehr Platz im Fußbereich.

Entertainment & WLAN (5*):

Emirates stellt jedem Passagier in allen Klassen 20 MB freies Volumen zur Verfügung. Anschießend kann dieses aufgestockt werden. Insider-Tipp: Werde vor Abflug Skyward-Mitglied. Dies ist das Vielflieger-Programm der Emirates. Die Teilnahme ist kostenlos, allerdings bekommst du Internet an Bord hierdurch deutlich günstiger. Die Kunden der Business- und First-Class, die zeitgleich Inhaber einer Skywards-Mitgliedschaft der Kategorie Blue, Silver, Gold oder Platinum sind, bekommen das WLAN während des gesamten Fluges kostenfrei! Ohne diese Mitgliedschaft kosten 500 MB 15,99 USD. Immer noch sehr fair.

Eindruck insgesamt:

Emirates kämpft nicht umsonst mit Singapore Airlines ständig um Platz eins der Weltrangliste. Die Airline ist die passende Superlative zu dem ebenfalls Superlativ-Emirat Dubai. Ganz klar hat der Kunde hier ein Paradies über den Wolken, welches eigentlich kaum zu toppen ist.

 


Singapore Airlines

(mehrmals getestet auf Flügen nach Singapore, New York)

Singapore Airlines Business Class

Verpflegung (5*):

Überragend und geschmacklich noch ein kleines Bisschen besser als Emirates, doch dies ist am Ende des Tages eine Geschmacksfrage. Wir möchten an dieser Stelle eigentlich keine dieser beiden Top-Airlines bevorzugen. Die Karte für Hauptgänge bei Singapore Airlines kann sich sehen lassen. Aktuell steht folgendes zur Auswahl: 6 oz. Rib-Eye Steak, U.S. Grilled Beef Fillet, Grilled Angus Beef Burger, Seared Lamb Loin, Oven-Roasted Chicken Breast, Classic Lobster Thermidor und vieles mehr. Die Auswahl scheint surreal. Auch die Getränkekarte inklusive Cocktails ist ausnahmslos hervorragend.

Service & Personal (5*):

Asiatische Herzlichkeit as its best! Bereits der Empfang an der Flugzeugtür ist toll. Das gesamte Personal scheint nur dafür da zu sein, die folgenden acht bis zwölf Stunden so angenehm wie möglich zu gestalten und dies gelingt zu 100%. Bei keiner anderen Airline wurden wir so sehr umsorgt wie bei Singapore Airlines. Dies bedeutet nicht, dass die anderen schlechter waren, Singapore Airlines war einfach nur noch besser, noch aufmerksamer, noch schneller und noch öfter bei uns am Platz.

Sitzplatz & Comfort in Business-Class (5*):

Da ist sie endlich. Die Fünf-Sterne-Bewertung für einen Sitzplatz in einer Business-Class. Schade, dass diese Topbewertung sonst niemand erreichen konnte, denn mit dem Sitzplatz steht und fällt der gesamte Flug. Singapore Airlines Motto beim Business-Class-Platz lautet anscheinend: Warum kleckern, wenn wir auch klotzen können. Wir saßen noch in keiner Airline, in der wir auf einem Business-Platz derart viel Platz hatten. Hier könnten locker und leicht gerne zwei Personen platznehmen und auch dort schlafen. Die Plätze lassen sich (durch das Kabinenpersonal) zu einem kompletten Bett umbauen, in welchem sich der Gast von links nach rechts wenden kann. Herausragend!

Entertainment & WLAN (5*):

Der Bildschirm ist riesig, die Auswahl der Filme exzellent und das Beste ist, das Internet ist für die Business- und First-Class frei. Damit ist Singapore Airlines die erste Airline, die diesen Dienst so zur Verfügung stellt. Danke – volle Punktzahl.

Eindruck insgesamt (5*):

Uns bleibt nichts anders zu sagen als: Mehr geht nicht.

 


Condor

(mehrmals getestet auf Flügen nach Kenia, Malediven, Cancun / Mexiko)

Condor Business Class

Verpflegung (3*):

Die Condor hat es als einzige Charter-Airline in das Top Fünf Ranking geschafft und dies zurecht. Die Verpflegung ist für eine Charterairline auf Langstreckenflügen in der noch nicht so alten Business-Class durchaus in Ordnung. Die Auswahl an Getränken ist okay und auch die Weine lassen sich sehen.

Service & Personal (2*):

Wünschenswerterweise ähnlich wie bei der Lufthansa, allerdings ist dies nicht immer der Fall. Man merkt einen klaren Unterschied in Puncto „Urlaubertypen“. Die Crew der Condor ist an Urlauber gewohnt, während die Lufthansa sehr viele Geschäftsleute transportiert. Hier ist ein klarer Unterschied in dem Umgang mit dem Kunden bemerkbar. Die Condor-Crew ist nicht unfreundlich, aber auf keinen Fall ansatzweise mit der Freundlichkeit einer Lufthansa-Crew zu vergleichen. Man hat auch immer mal wieder den Eindruck, als wäre die ein oder andere Person des Kabinenpersonals genervt durch eine weitere Bestellung eines Rotweins oder Tomatensaftes. Dies sollte in der Business-Class nicht vorkommen.

Sitzplatz & Comfort in Business-Class (3*):

Hier hat sich die Condor in den letzten Jahren schwer verbessert. Es ist noch nicht allzu lange her, dass sie in ihren Maschinen einen „richtige“ Business-Class verbaute. Die Plätze sind bequem, bieten im Prinzip ausreichend Platz, sind aber für große Menschen etwas zu kurz geraten. Dennoch ist die Condor für uns das Non-Plus-Ultra, wenn es um Langstreckenflüge in die Karibik geht, oder wenn ein Umsteigen in Dubai mit Emirates in Richtung Malediven verhindert werden soll.

Entertainment & WLAN (1*):

Um es kurz zu sagen: Es steht kein WLAN zur Verfügung. Ein Entertainment-Programm ist vorhanden und soweit in Ordnung, aber nichts, worüber man sich in einer Business-Class besonders freuen würde.

Eindruck insgesamt (2,5*):

Das Gute an Condor ist, dass ihr Streckennetz für eine Charterairline sehr gut ausgebaut ist. Bei Buchungen mit Condor muss man allerdings aufpassen, dass Passagiere nicht versehentlich auf einem Sub-Charter fliegen und somit noch weniger Leistung bekommen, als an Bord einer Condor. Besonders bei Flügen in die Karibik gilt hier: Augen auf bei der Buchung. Ansonsten ist die Kelsterbach-Airline in Ordnung, wenn es um vernünftige Flüge ins weit entfernte Ausland geht.
 


Das AJOURE´ Ranking:

Platz 1: Singapore Airlines
Platz 2: Emirates
Platz 3: Lufthansa
Platz 4: Thai Airways
Platz 5: Condor

Wir haben uns bei der Buchung der jeweiligen Flüge absichtlich ausschließlich für sehr gute Airlines entschieden und der Grat, der die ein oder andere Airline hier besser platzieren ließ, war schmal. Wir können jede dieser Airlines empfehlen und weisen lediglich auf kleine Mankos hin, die man, wenn man sie vorher kennt, problemlos umgehen oder sich vorher mit ihnen anfreunden kann.

Insider-Tipp:
Wer gerne mal während eines Langstreckenfluges auf einer Business- oder First-Class sitzen möchte und hierfür auf der Suche nach Schnäppchen ist, der sollte sich die Seite www.vornesitzen.de anschauen. Hier werden täglich die abartigsten Low-Cost-Preise für die Top-Buchungsklassen angeboten. Nicht selten findet man hier Flüge zu absoluten Dumpingpreisen auf allen Top-Airlines dieser Welt.

 

Fotos: Petair; Andreas Marquardt / stock.adobe.com; CONDOR / PR; Emirates Media Centre / PR; Gregor Schlaeger / Lufthansa PR

 

No Comments Yet

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>